Die Kelten

Auf der uns heute bekannten, zivilisierten Welt gibt es wesentlich mehr keltische Einflüsse, als man eigentlich denkt. Unser gesamter mitteleuropäischer Raum war ursprünglich von Kelten besiedelt. Den deutschen Raum besiedelten sie ca. 750 v. Chr. und verdrängten oder assimilierten die dort lebenden Stämme, was ihnen nicht schwer fiel, da sie bereits eine bedeutend hohe Kultur mitbrachten. Sie übten Handwerke aus, kannten schon feinste Webtechniken mit wundervollen Mustern, was wir hier aus Fürstengräbern erfahren konnten, und sie brachten schon Pferde mit. Sie sind also unsere eigentlichen Urahnen und nicht die Germanen, die erst ab ca. 200 v. Chr. wahrscheinlich eine Zeit lang mit ihnen, und nach der Verdrängung der Kelten durch die Römer als Kulturfolger unsere deutsche Region bewohnten.

 

Im Gegensatz zu den Schotten, die sich die Rockmode bis heute bewahrt haben, und zu den alten Römern und vielen anderen Völkern weltweit, die Rock – ähnliche Kleidung trugen, sind die Kelten wahrscheinlich das Volk, das die langen Hosen erfunden hat. Die Männer trugen bereits in der Bronzezeit nachweislich Hosen, so wie wir sie noch heute kennen.

 

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht siedelten die Kelten von Irland bis Kleinasien. Mitte 380 v. Chr. plünderten und verwüsteten sie Rom, zogen aber nach Bestechungszahlungen wieder ab. 279 v. Chr. standen sie in Delphi und hatten das bis heute so benannte Galatien in der Türkei besiedelt. Der Name „keltoi“ tauchte erstmals in griechischen Texten um ca. 500 v. Chr. auf. Die Römer nannten sie später „Galatae“ (Gallier), insbesondere nachzulesen in den „commentarii“, eher bekannt unter „de bello gallico“ des Gajus Julius Caesar aus der Zeit 58 – 51 v. Chr.

 

Gerade die Römer haben zu einem großen Teil die Kelten unterworfen, oder zumindest ihre Kultur unterdrückt. Das Meiste allerdings. was wir heute von den Kelten wissen, die nie eine eigene Schrift entwickelt haben, und demnach auch keine schriftlichen Zeugnisse ihres frühkeltischen Lebens und Wirkens hinterlassen haben, ist wiederum von Römern überliefert worden. So z. B. um außer Caesar die Bekanntesten zu nennen sind das Poseidonois, der Lehrer Ciceros, Livius, Plinius, Strabon, Diodorus, sowie Herodot.

 

Die Kelten erlebten noch einmal einen Wiederaufschwung ihrer Kultur im frühen Mittelalter, etwa bis zum 8. Jahrhundert n. Chr., bis sie endgültig den Wikingern weichen mussten. Ihre Refugien sind die bis heute noch bestehenden Enklaven in Irland, Schottland, Wales, Cornwall, den Hebriden, der Bretagne, Galizien in Spanien, Galizien in Polen und Louisiana in den USA. Dort sprechen Teile der Bevölkerung noch mehr oder weniger eine eigenständige keltische Sprache. Das keltische Bewusstsein umfasste einen stark ausgeprägten Familiensinn, ein Dienen dem Gemeinwohle, Frau und Mann waren gleich- gestellt, und das Göttliche wohnte in allen Dingen.

 

Traditionelle keltische Musikinstrumente waren die Rotta, ein Leierähnliches Instrument, auch andere verwandte Streich- und Zupfinstrumente, Hörner, fanfaren- und trompetenartige Instrumente, Flöten, sowie Formen der bis heute in der keltischen Musik gespielten Harfen und Dudelsäcke, aber auch Luren, wie wir sie von den Römern kennen, und nicht zur vergessen: die Carnyx, ein „ein-Ton Horn“ aus Metall mit hundeähnlichem Kopf, das man als Grabbeigaben gefunden hat, und von welchem man annimmt, dass es bei Angriffen gespielt wurde.

 

Aus einer irischen Auswanderer Ballade um 1850 sind uns folgende Zeilen, leider aber nicht die Melodie überliefert:

 

„Ihr wackeren Kelten, wo immer ihr seid,

bleibet stehen und schenkt mir ein bisschen Zeit.

Eure Söhne und Töchter mit dem rotblonden Haar

segeln zu Tausenden ´gen Amerika.“

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