Der Dudelsack

Der Dudelsack auch Sackpfeife genannt, hat eine lange Vorgeschichte. Sein Urahn könnte aus Ptolemäischer Zeit stammen (Buch Daniel, Elberfelder Bibel). Es ist wahrscheinlich, dass die römischen Legionen die Sackpfeife über ganz Europa verbreiteten. Die ältesten Erwähnungen in Deutschland finden sich auf zwei Urkunden aus dem Kloster St. Blasien, datiert auf das 8. oder 9. Jahrhundert. Die älteste erhaltene Sackpfeife ist die „Rostocker Spielpfeife“ aus dem 15. Jahrhundert. Heute noch bekannte Sackpfeifen sind in Spanien die Gaita, in Böhmen, Österreich und Süddeutschland der Bock und neuerdings wieder in Deutschland sog. Marktpfeifen, Schäferpfeife, Praetorius-Bock und Hümmelchen stehen für das mittelalterliche Deutschland. In Frankreich war die Musette de Cour verbreitet und die Zampogna ist im Süden Italiens anzutreffen. Man könnte die Liste noch lange fortsetzen, denn jeder Landstrich hatte und hat immer noch seine Sackpfeife, die sich teilweise sehr stark von einander unterscheiden.

 

All diese Instrumente gehören zur Familie der Borduninstrumente wie auch die Drehleier. Borduninstrumente zu Eigen ist, sie erzeugen im Hintergrund einen gleichmäßigen untermalenden Dauerton. Die Tonerzeugung erfolgt über sog. Rohrblätter ähnlich der Klarinette oder dem Saxophon. Der Luftdruck hierfür wird in einer Windkapsel, in unserem Fall einem Sack oder Bag erzeugt. Die benötigte Luft wird über ein Blasrohr mit Rückschlagventil, die Blowpipe in den Bag eingeblasen. Durch Pressen des Bags mit dem Unterarm entsteht ein Spieldruck, der nötig ist um die Pipe „anzuwerfen“. Die über die Drones, das sind die langen Rohre für den Dauerton, und den Chanter, das ist die Spielpfeife ausströmende Luft bringt die Reeds, das sind die Rohrblätter, zum Schwingen und so entsteht der Ton. Hört sich alles einfach an, ist es auch, wenn man es kann.  (Üben … Üben)

 

Die Great Highland Pipe (GHB) war ursprünglich ein Kriegsinstrument, sie diente dazu auf dem Schlachtfeld eigene Reihen anzufeuern, den Gegner einzuschüchtern und Befehle an die Truppen zu übermitteln, ähnlich den uns bekannten Trompetensignalen, was voraussetzt, dass sie laut ist. Und das ist sie perfekt (ca. 122 Dezibel).

 

Bei der berühmten Schlacht von Bannockburn, als die Schotten 1314 ihre Unabhängigkeit von England erkämpften, sollen schon den Soldaten Dudelsackpfeifer zur Seite gestanden haben. Seit jener Zeit gehörten die Pfeifer in das im schottischen Highland herrschende Clansystem und in den Haushalt eines jeden Clan Chiefs. Weil jeder Clan seine Pfeifer brauchte, wurden Schulen eingerichtet, die sogenannten „Colleges“, in die die Clans ihre Pfeifer schickten, um dort das Dudelsackspielen zu erlernen. Am 6. April 1746 nach der Schlacht im Culloden Moor der letzten Schlacht gegen die Engländer, wurde Schottland 1747 entmilitarisiert und den Schotten wurde sowohl das Dudelsackspielen, als auch das Tragen der Kilts, Versammlungen und das Sprechen der gälischen Sprache gesetzlich verboten. Die Einhaltung der Gesetze wurde radikal überwacht, um das Nationalgefühl zu ersticken und Aufstände zu unterbinden. Dies hatte zur Folge, dass sich die Familien der Pfeifer zerstreuten. Die Gefahr drohte, dass in den kommenden Jahren das Dudelsackspielen in Schottland auf diese Art und Weise verschwand.

 

Eine ganze Generation wuchs heran, bevor das alte Brauchtum wieder aufleben durfte. So gerieten möglicherweise nicht nur etliche Tartans in Vergessenheit.

 

Die schottische Pipe ist bis heute einigen Änderungen unterworfen worden. So ist etwa erst Mitte des 19. Jahrhundert die dritte Bordun dazugekommen. Das Äußere der Pipe hat sich seitdem bis heute nicht verändert. Viele neue Materialien sind in den Pfeifenbau eingeflossen, so besteht der Bag nicht mehr aus Leder sondern aus Gore Tex und das ist gut so. Andere „Verbesserungen“ konnten sich nicht durchsetzen und es gibt heute noch wie vor 500 Jahren Canereeds, die meines Erachtens den schöneren Klang haben. Die Spielweise der Great Highland Pipe unterscheidet sich erheblich von anderen Sackpfeifen. Das Notenschreiben, wie wir es heute kennen, begann erst um 1800. Bis dahin wurden die Lieder mit einer Art Singsprache übermittelt. Diese nennt man „Cantaireachd“. Bedingt durch das Verbot von 1746 gingen viele Stücke in Piobaireachd (gesprochen: Pi-brrrroch), das ist die traditionelle gälische Spielweise verloren. Heute sind noch ca. 200 Stücke existent, von denen manche älter als 500 Jahre sind.

 

Der Chanter der Pipe umfasst neun Töne. Die Musik ist pentatonisch aufgebaut und Halbtonschritte können nicht gespielt werden. Die Einzigartigkeit der Dudelsackmusik besteht in den „Gracenotes“, das sind kurz gefasste Notensequenzen, die vor oder nach einer „Hauptnote“ gespielt werden. Diese Sequenzen oder Variationen können von einer bis zu sieben oder sogar acht Noten reichen. Zu diesen Variationen gehören zum Beispiel Taorluath, Crunluath, sowie Doublings und Triplings.

Dadurch erhält der Schottische Dudelsack seine Ausstrahlung und Stimmung, die ihn so einzigartig macht und die Menschen immer wieder bewegt.

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